Bleigießen online
Denk an das Jahr, das vor dir liegt, und gieß das Blei ins Wasser. Die Figur, die erstarrt, ist deine Antwort.
Die Figur zeigt
Kaum ein Silvesterbrauch ist so geliebt wie dieser: ein Rest Blei — oder Zinn, oder Wachs — wird in einem alten Löffel geschmolzen, mit Schwung ins kalte Wasser gegossen, und dann zischt es. Was aus dem Wasser kommt, ist eine Figur, die niemand gemacht hat, verdreht und voller Zacken. Sie zu benennen ist die eigentliche Kunst: die Bleifigur erzählt vom kommenden Jahr.
So ist es auch hier im Haus aufgeteilt: Der Kaffeesatz antwortet auf das, was dich jetzt beschäftigt — das Blei schaut nach vorn. Ein Anker, eine Glocke, ein Drache, ein Kleeblatt: Der Figurenkanon des Bleigießens hat Jahrhunderte auf dem Buckel, und jede Figur bringt ihre Deutung für die Zeit mit, die gerade beginnt, ob neues Jahr oder neues Leben.
Hier ist der Brauch vollständig und ohne Brandblasen: Denk an die Zeit, die vor dir liegt, kipp den Löffel und lass das Blei erstarren. Die Figur fällt jedes Mal anders aus — wirklich jedes Mal: Sie wird bei jedem Guss neu gezeichnet, so wie auch im Wassereimer nie zwei gleiche entstehen — und das Orakel gibt ihr Namen und Deutung.
Ist das Wissenschaft? Nein: Es ist einer der liebsten Wahrsagebräuche Europas — so beliebt, dass Bleigieß-Sets wegen des Bleis nicht mehr verkauft werden dürfen und der Brauch aufs Wachs und ins Internet umgezogen ist. Nimm es, wie man es immer genommen hat: eine Figur, ein Gespräch und ein Anstoßen auf das, was kommt.